Unterhaltung zu jedem Preis - So werden die Spieler und Abonnenten verarscht

"Abgegrieft", "Flootastisch", "SkyGuy". Vielen jungen, deutschsprachigen Minecraft-Fans sind diese Nicknamen nicht unbekannt. Es handelt sich hier um die Youtuber Lucas Bürger, Florian Müller und Wilko Holling, die hauptsächlich durch Minecraft-Content auf Youtube bekannt sind. Dies ist jedoch nicht die einzige Gemeinsamkeit, die diese Youtuber teilen: Alle 3 betreiben ihr eigenes Minecraft-Netzwerk, mehr oder weniger erfolgreich, mit dem sie Einnahmen mit dem Verkauf von Rängen und Vorteilen erwirtschaften. Ihre Videos auf Youtube dienen überwiegend nur dem Zweck ihre Spieleserver und Merchandise-Shops zu bewerben. Jedem erfolgreichen Youtuber ist klar, dass die Inhalte der Videos ansprechend und unterhaltsam sein müssen. Bei Spielen wie Minecraft, welche nur durch Updates oder Großprojekten in Koorperation mit anderen Youtubern spannend bleiben und sonst wenig Überraschendes bieten ist dies auf Dauer etwas schwierig. Das ist auch diesen 3 Gamern klar. Bei jedem von ihnen wird nach einem kurzen Blick in die Videoliste klar, dass hier schon von Beginn an eine, nicht unwesentliche, Menge von Videos mit aufregendem Content vorhanden ist.

So werden Scammer (Betrüger) und Duplizierer auf den eigenen Servern direkt im Video gesucht, gefunden und zur Unterhaltung und im Interesse der Community bestraft. Dieses Konzept läuft und lohnt sich. Natürlich dürfen hier teils unwahre Videotitel und bearbeitete Vorschaubilder, sogenanntes Clickbaiting, nicht fehlen. Durchforstet man hier die Kommentare der entsprechenden Videos nimmt einem die teils sehr junge Community solche unsauberen Tricks nicht sonderlich übel. Aber auch dieser Inhalt verliert an Interesse. Der Betrug der Spieler untereinander auf dem Spieleserver wird von den Betreibern geduldet, wenn nicht sogar dem Zweck dienend, Content zu produzieren, gewünscht. Daher haben diese Bestrafungszeremonieen keine nennenswerten Folgen für die Community.

Neuer Inhalt musste her und ward scheinbar schnell gefunden. Plötzlich tauchten Gruppierungen und Spieler auf, die es sich auf die Fahne geschrieben haben, die jeweilige Community zu zerstören. Es wurden Redstone-Schaltungen gebaut, die den Server zum Absturz bringen sollten und man hat hochpreisige Items verramscht oder sogar verschenkt, nur um die Wirtschaft des Servers auszubremsen. Viele verloren schnell an Wert aber erholten sich wieder, dank der unbarmherzigen Verfolgung durch die Betreiber des Netzwerkes. Sie spürten die Schaltungen auf und zerstörten diese. Sie suchten erfolgreich nach versteckten Truhen und Lagern, in welchem Tausende duplizierte Items lagerten, die der Wirtschaft des Servers nachhaltigen Schaden hätten zufügen können, wären sie in den Umlauf gekommen. Selbstlos schlugen sie sich die Nächte um die Ohren nur um ihre Server zu retten. War doch hier ein gemeinsamer Feind aufgetaucht, der der Community schaden wollte. Es wurden Sympathien ausgesprochen, auch in finanzieller Form, um die Arbeit der Netzwerkbetreiber zu unterstützen. Schnell entwickelte sich eine Eigendynamik des virtuellen Feindes. Manche Spieler sympathisierten mit dem Feind, es tauchten Trittbrettfahrer auf, die andere Duplizierungswege entdeckten. Gruppierungen bildeten sich, die sich im Rahmen eines Rollenspiels den erfundenen Schädlingen anschlossen. In diesem Zusammenhang sind TeamEvil und TeamKiller oft genannt. Wenn man jetzt bedenkt, dass die Betreiber dieser Netzwerke mit selbigen teilweise ihr Geld verdienen, so kann man von dem Vorgehen der Gruppierungen von geschäftsschädigendem Verhalten sprechen. Jeder Unternehmer würde sich sowas nicht bieten lassen, geschweige denn es sogar dulden. Es sei denn, es wäre der Sache dienlich. Die Bösewichte treiben scheinbar monatelang ihr Unwesen auf den Netzwerken. Doch stattdessen mit nur einer Silbe zu erwähnen, dass man dies zur Anzeige bringt, wird das Thema unterhaltsam ausgeschlachtet und in Form von Youtube-Videos fein säuberlich dokumentiert. Das fällt auch einem Bruchteil der Community auf. Einige Spieler mutmaßten schnell, dass es viele der ausgenutzten Sicherheitslücken gar nicht gäbe, doch diese Zweifel gingen in der Masse der amüsierten Community schnell unter. Man könnte glauben, selbst die Betreiber der Netzwerke genießen dieses Katz-und-Maus-Spiel, und setzen der Sache direkt die Krone auf: Kaum verkündetete man, man hätte die Gruppierungen zerschlagen, hatten sie nur wenig Ruhe und Zeit, sich von ihren Fans feiern zu lassen.

Wie aus dem Nichts tauchte nun ein neuer Spieler auf: AdminEvil. Der Spieler schafft es scheinbar mühelos alle Sicherheitsmaßnahmen zu übergehen und sich die administrativen Rechte zu beschaffen. Jegliches Vorgehen gegen den Spieler scheint nichts zu bringen. Er entbannt sich selbst und rächt sich mit einem Ban bei den Betreibern. Und während er auf dem einen Server die Wirtschaft einbrechen lässt, indem er tausendfach hochpreisige Trophäen eines Moderators in den Umlauf bringt und diese somit wertlos macht, taucht bei einem anderen Betreiber ein Erpresserschreiben auf. Auch hier wird alles in Form von produziertem Content auf dem Youtube-Channel veröffentlicht. Scheinbar unkontrollierte Wutausbrüche treiben die Klickzahlen nach oben. Und selbst nach dem Erpresserschreiben werden weitere Videos veröffentlicht, in denen das ebenfalls geschäftschädigende, und mittlerweile hochkriminelle, Verhalten gewinnbringend dokumentiert wird, statt es kommentarlos zur Anzeige zu bringen.

Merkwürdiger Weise beschränken sich diese Aktionen hierbei nur auf die eingangs erwähnten Netzwerke. Die verhassten Gruppen und Spieler tauchen nirgendwo sonst in diesem Zusammenhang auf. Systematisch wird dem Abonnent und zahlendem Mitspieler auf dem Netzwerk vorgespielt, man hätte keine ruhige Nacht mehr und sieht die Existenz des Netzwerkes gefährdet. Die Administratoren gefährden die virtuelle Wirtschaft der eigenen Netzwerke nur um sich in der realen Wirtschaft weiter bereichern zu können. Und die Masse der Community macht mit und fällt darauf hinein.

Fortsetzung folgt ... Da bin ich mir sicher.

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